Marcus Bosch

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"Weltverbesserer" 7. Sinfoniekonzert

2010/06/02, Eurogress Aachen Beethoven, Klavierkonzert Nr. 1
Messiaen, Turangalila-Sinfonie

Jonathan Gilad, Klavier
sinfonieorchester Aachen
Aachener Zeitung, 05. Juni 2010, Pedro Obiera
Ein Meisterstück an Brillanz und technischer Artistik

Höhepunkt der Saison: Bosch und das Aachener Orchester mit Messiaens "Turangalila" Symphonie und Beethovens Klavierkonzert

Man könnte von einem Meisterstück sprechen. Am Gelingen eines so komplexen Werks wie Olivier Messiaens "Turangalila" Symphonie lässt sich ablesen, auf welchen Stand ein Dirigent sein Orchester im Laufe mehrerer Jahre heben konnte. Wenn Marcus R. Bosch dem Aachener Sinfonieorchester diese gewaltige Augabe zutraut, zeugt das von hohem Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Orchesters und die eigene Kompetenz. Den Quantensprung, den die Sinfoniker seit dem Weggang von Boschs glücklosen Vorgänger vollzogen haben, konnte man seit Jahren in nahezu jedem Konzert spüren. Auch und gerade in kleiner besetzten Werken, in denen sebst minimale Artikulations- und Pharsierungsmänmgel von keinen orchestralen Wogen überdeckt werden können.

Messiaens 80-minütiges Hohelied auf die Liebe stellt besondere Anforderungen an rhythmische Präzision, Treffsicherheit und das Gespür für die klangliche Balance, rührt also nicht zuletzt an die Frage, inwieweit das diesmal so starkt wie nie zuvor besetzte Orchester zu einem klingenden Organismus zusammengewachsen ist. Das Ergebnis kann sich hören lassen. An der Spielfertigkeit der Musiker gibt es nichts zu bemängeln, und selbst in der ständig bemäkelten Akustik des Eurogress gelang es Bosch, die extrem diffizile Klangfarbenpalette des Werks auch in den massivsten Höhepunkten kontrolliert zu entfalen.

Schillernde Farbigkeit, spietechnische Artistik und ein rundum gesunder voluminöser Orchesterklang bestimmten die Interpretation der zehn Sätze. Bosch behielt die Fäden auch in den diffizilsten Passagen sicher in Händen. Messiaens von Gottvertrauen und Naturliebe geprägte Vorstellung von der menschlichen Liebe führt, gerade durch die süßlichen Klänge des Ondes Martenonts, des frühen elektronischen Tasteninstruments, bisweilen zu verzuckerten Klangfärbungen. Bosch bettete das Instrument geschickt in den Gesamtklang ein und sorgte ohnehin für scharfe klangliche Kontraste, so dass sentimentale Entgleisungen rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben werden konnte. Und auch die eingeworfenene Vogelrufe - von den Bläsern brillant gemeistert - verloren in diesem Kontext reden rein illustrativen Anstrich. Auch die Spannung vermochte Bosch über die lange Distanz des Werks vorbildlich aufrechtzuerthalten. Kurz gesagt: Man kann von einem Meisterstück reden. Mit einem Orchester auf diesem Niveau lässt sich alles spielen. Darüber sollte man jedoch nicht die phänomenale Leistung des Pianisten Markus Becker vergessen, der mit seinem vertrackten und umfangreichen Klavierpart nicht unwesentlich zum Erfolg dieser Kraftprobe beigetragen hat.

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