Marcus Bosch

Pressestimmen

1. Philharmonisches Konzert "Das Posthorn ruft"

2012/10/26, Meistersingerhalle Nürnberg G. Mahler Sinfonie Nr. 3

Solistin: Iris Vermillion

Damend des Hans Sachs-Chores Nürnberg
Junger Chor Nürnberg

Staatsphilharmonie Nürnberg
Nürnberger Zeitung, 29. Oktober 2012, Thomas Heinold
Ruinenlandschaft ohne Sichtkontakt zum Horizont

... Mit diesem monumentalen Werk begann Marcus Bosch am Freitagabend jene neue Saison der Philharmonischen Konzerte, in der er ... offiziell das Amt des Nürnberger Generalmusikdirektors innehat.

Und in diesem Adagio entfaltete sich am Freitag auch endlich jene innige, aus dem Herzen drängende Senhnsucht, die diese Sinfonie unbedingt als Gegengewicht in ihrem disparaten, von motivischen Zusammenstößen und Zentrifugalkräften strapazierten Weltbild braucht.

Zuvor hatte Bosch und die Staatsphilharmonie Nürnberg eine musikalische Seelenlandschaft entworfen, die so düster wie grell gezeichnet war. Als packendes Paradox erhob sich der Marsch des riesigen, sich über eine halbe Stunde erstreckenden Einleitungssatzes: Ein vorwärtsschreitender Rhythmus, der noch den Stillstand und die Lähmung der Trauer verkörpert, eine Treten auf der Stelle, bei der Bosch einzelne Instrumente solistisch wie vereinsamte Akteure hervortreten ließ - das unruhige Pochen der Trommel, der schrille Zwischenruf einer Trompete mit Dämpfer. So entstand hier dreidimensionals Klangtheater: zu erleben war eine Ruinenlandschaft, in der alle Dimensionen verzerrt wirken und in der die Themen - ob triviale Jahrmarktmusik oder Marschelemente - ungeschützt aufeinanderprallen.

Wie ein großes akustisches Ausrufezeichen wuchtete die Staatsphilharmonie diese "erste Abteilung" der Sinfonie in der Meistersingerhalle, ein musikalisch kaum Wünsche offen lassender Kraftakt, in dem Bosch die Nähe der Dritten zu Mahlers unbarmherzigster Sinfonie, der Sechsten - der "Tragischen" mit ihnen Hammerschlägen des Schicksals - betonte.

Auch die folgenden Sätze boten eindrucksvolle Momente: das falsch-funkelnde Idyll des Menuetts, die grotesk grellen Vogelrufe des Scherzos, die rätselhaft klagende Mahnung in Nietzsches Nachtwandererlied "O Mensch! Gib acht!", dem Iris Vermillion mit ihren kräftigen vokalen Farben und ihrer präsenten Mittellage den nötigen Nachdruck gab. ...

 



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