Marcus Bosch

Pressestimmen

1. Philharmonisches Konzert

2011/09/23, Meistersingerhalle Janacek Sinfonietta
Berg 5 Orchesterlieder nach Texten von Peter Altenberg
Mahler Sinfonie Nr. 1 D-Dur

Solistin Christiane Libor, Sopran
Nürnberger Nachrichten, 26. September 2011, Jens Voskamp
Rauschende Feste der Klagkultur

...Am hörbarsten wurde das wohl in Mahlers erster Sinfonie "Der Titan": Unter den vielen Interpretationsmöglichkeiten entschied sich der Dirigent, der ein Jahr lang gleichzeitig noch die Aachener Sinfoniker und die dortige Oper leiten wird, nicht für einen grell überzeichneten, schroff zerklüfteten Sound, sondern er deckte die vielen Stilelemente auf, aus denen Gustav Mahler schöpfte. Das Volksmusikalische, die nicht zu leugnenden Spuren der Klezmorim, der mal als Ländler, mal als augeprägter Walzer daherkommende Dreiviertel-Takt als Grundrhythmus der späten k.u.k. Monarchie und natürlich  der großformatige Trauermarsch im 3. Satz: All das wurde von der riesigen philharmonischen Instrumentalistenschar wunderbar entwickelt und fein ausdifferenziert daragestellt. Das ganze mündete in die bestürzende wie katastrophische Apokalypse des Finales.

Damit knüpfte Bosch nahtlos und auf hohem Niveau an die reiche Nürnberger Mahler-Pflege an und setze einen von drei programmatischen Pflöcken: Stark ins Visier möchte er die  Musiklandschaft Tschechiens nehmen. Wie bereits mit dem ausgedehnt-feierlichen Fanfarenstoß von zwölf (!) Trompeten, der die Ära Bosch einleitete: Janaceks spannungsgeladene "Sinfonietta", die auch die gestrige Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises umrahmte, ist mit ihrer kompromisslos expressionistischen Tonsprache ein Reflex westslawischer Mentalität.

Ein ausgesprochenes Bekenntnis zur klassischen Moderne als zweiten Pflock bedeuteten Alban Bergs "Altenberg-Lieder", die bei ihrer Uraufführung 1913 einen Riesentumult verursachten. Dada-nahe Lyrik in hochkonzentrierter, auf jede Reprise verzichtende Klanglichkeit und ein Gesangspart, der sich mit Summen einführt: Das war zu viel für das bürgerliche Wien. In Nürnberg akzentuierte Christiane Libor die Miniaturen mit hochverständlichem, angemessen zurückhaltend geführtem Sopran und eröffnete damit die dritte musikalische Linie unter Marcus Bosch: Die Reihe "Meistersinger" soll Begegnungen mit bedeutenden Sängern unserer Tage ermöglichen. Sängerin, Orchester und Dirigent ernteten  Riesenbeifall....

 

 

 

 



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